Die Platten der Woche mit Joseph, Ma Sha, Roman FlĂŒgel, Ricardo Villalobos und The Exaltics
Unsere Platten der Woche kommen diesmal von Joseph, Mah Sha, Roman FlĂŒgel, Ricardo Villalobos und The Exaltics.

ReviewsSingle Alle Ausgaben der Platten der Woche findet ihr hier.
Joseph â B4u & Tripidi EP (Pampa)
Es dĂŒrfte den meisten GROOVE-Leser:innen geradezu unglaublich erscheinen, dass das Label Pampa an mir ziemlich vorbeigegangen ist. Ohne Absicht, vermutlich liegt es schlicht an der Masse der tĂ€glich erscheinenden Musik â es kann einfach nicht alles gecheckt werden. Umso besser ist diese Situation fĂŒr Joseph â und das Label. Hier spricht kein alter Fan, kein Follower. Sondern einer, der diese beiden StĂŒcke wirklich gut findet und beim ersten Hören eine spontane Schreibtischparty gefeiert hat, was selten vorkommt! âB4uâ ĂŒberrascht mit einer Wendung in ungewohnt schrĂ€ges tonales Gebiet. Eben dominierte noch eine hĂŒbsch sentimentale Melodie, dann bricht ein perkussiv eingesetzter Ton auĂerhalb der als nett empfundenen Skala die Stimmung, und dieses Wechselspiel prĂ€gt fortan den Track und hebt ihn ab von gĂ€ngigem DJ-Futter. âTripidiâ entpuppt sich als Premium-Peaktime-Tool, unterschlĂ€gt nach endlosem Spannungsaufbau aber schlitzĂ€ugig die Erlösung. Subtext: Lassâ dir was einfallen, DJ! Mathias SchaffhĂ€user Embed
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Ma Sha â Hexacorallia (Nerve Collect)
Mit Hexacorallia debĂŒtiert die New Yorker DJ, Produzentin und Kindergarten-Records-GrĂŒnderin Ma Sha auf dem niederlĂ€ndischen Label Nerve Collect . Die EP verbindet UK-geprĂ€gte Clubrhythmen mit futuristischem Sounddesign und lĂ€sst die insgesamt fĂŒnf Tracks so wirken, als wĂŒrden vertraute Clubstrukturen unter Hochspannung gesetzt und anschlieĂend mit einer Ăberdosis elektrischer Energie wieder zusammengefĂŒhrt werden. Schon âTotal Energyâ macht seinem Namen alle Ehre. Rollende Drums, vibrierende Synths und maschinell pulsierende Sequenzen schieben den Track unaufhaltsam nach vorn. UK-inspirierte Rhythmik trifft auf einen neurotischen Soundentwurf, der weniger auf klassischen Druck als auf permanente Bewegung setzt. âSalpaâ öffnet anschlieĂend den Raum. Heller, melodischer und beinahe euphorisch schrauben sich verzerrte Frauenstimmen durch housigere Grooves, wĂ€hrend psychedelische Klangfarben den Track in einen hypnotischen Schwebezustand versetzen. Danach verdunkelt sich die Stimmung. âSpinmachineâ stampft industriell voran, wĂ€hrend âGillzâ Breakbeats, schweren Bass und geisterhafte Vocals zu einem dĂŒsteren Kontrast vereint. In Zusammenarbeit mit Hodge steigert Ma Sha auf âShotsâ die IntensitĂ€t schlieĂlich bis an den Rand des Kontrollverlusts: klappernde Drums, metallische Sounds und stĂ€ndig neue Klangfragmente verdichten sich zu hypnotischem Chaos, dessen Energie sich mit jeder Minute steigert. Die Rhythmen beschleunigen gefĂŒhlt immer weiter, ohne jemals auseinanderzufallen â ein Track, der den Dancefloor gleichzeitig ĂŒberfordert und magnetisch anzieht. Anne Holzki Embed
Ricardo Villalobos x goat â Without References / Cindy van Acker (Ricardo Villalobos Variations) (Latency)
Das Pariser Luxus-Nischen-Label Latency bittet zum intellektuellen Endgegnerduell in den Whitecube. Klar, dass da alle weltgewandt nicken, im exakt gleichen, minimalistischen Vierteltakt ihren Kopf nach vorne schieben, weil das so einfach mehr nach SpaĂ aussieht. Was ja passt: Die japanischen Echtzeitmusikanten von goat (jp) liefern kahlrasierte Rhythmusgerippe, die sie fĂŒr die Generation Kunsthalle ausgehöhlt haben. Weil da aber immer noch zu viel dran- und also runterhĂ€ngt, schnippelt Ricardo Villalobos freudig daran rum. Da verabschiedet sich der trommelkreiselnde Brutalismus, dort die nach DruckerschwĂ€rze mĂŒffelnde Wire-PĂ€dagogik. Die Minimalreste tunkt er in die Hypnosesauce und, huch: Schon hat man einen ziemlich guten Soundtrack, um in einem seligen Sichtbetonbau ausdruckslos an einer Wand zu lehnen und den Kopf im Vierteltakt nach hinten zu schieben. Bis man dann, ungefĂ€hr nach Minute sieben, doch nicht anders kann und performativ mithĂŒpft. Christoph Gleich Embed
Roman FlĂŒgel â Dusty Jukebox (Running Back)
Seit mehr als drei Jahrzehnten gehört Roman FlĂŒgel zu den konstantesten GröĂen der elektronischen Musik. Ob House, Techno, Electro oder Ambient â der DJ und Produzent bewegt sich mĂŒhelos zwischen den Genres, ohne jemals seine eigene Handschrift zu verlieren. Unter anderem mit Veröffentlichungen wie Gehtâs noch? , Garden Party oder Eating Darkness hat er sich seinen Ruf als Produzent erarbeitet. Nun kehrt FlĂŒgel mit Dusty Jukebox auf Gerd Jansons Label Running Back zurĂŒck. Der erste Track âHornsâhttps://romanfluegel.bandcamp.com/track/hornsnimmt keine Umwege. Eine trockene Tech-House-Bassline, scharfe Claps und Snares schieben sofort Richtung Peaktime. DarĂŒber schrauben sich atonale Synthesizer immer weiter nach oben, bauen Druck auf, brechen wieder ein und setzen erneut an. Den Break trĂ€gt eine eingĂ€ngige Melodie, bevor sich neue Synth-Layer drĂŒberlegen. Erst ganz zum Schluss klimpert ein Piano durch den Hintergrund. Auf die im Titel versprochenen Hörner wartet man allerdings vergeblich. Stattdessen klingt âHornsâ roh, ravig und angenehm ungeschliffen â als hĂ€tte FlĂŒgel die etwas verwilderte Schwester des Kitschs ins Studio eingeladen. Der Titeltrack nimmt Tempo aus der EP. Die Snares klingen aus der Ferne wie sanfte Peitschenhiebe, wĂ€hrend eine fragile Melodie wie das elektrische Flackern einer verstaubten Maschine vor sich hin trabt. Darunter wabern warme Electro-Sounds durch den Track, als wĂŒrden kleine Stromimpulse die Jukebox am Leben erhalten. âIf Youâll Ever Knowâ wechselt anschlieĂend in wĂ€rmeren House, getragen von breiten Synths und gezupften Akkorden, die fast an eine Laute erinnern. Zum Schluss stehen auf âYouâve Failed But Thatâs Okayâ eine progressive Bassline und eine sich selbst wiederholende Synth-Melodie, bevor ein Piano-Break die Grundstimmung des Tracks in ĂŒberraschend optimistischer Stimmung ausklingen lĂ€sst. Vier Tracks, vier Stimmungen â und in jeder unverkennbar Roman FlĂŒgel. Johanna LĂŒhr Embed
The Exaltics â A New Chapter (Clone West Coast Series)
Machen wirâs an dieser Stelle kurz: The Exaltics ist sicherlich einer der besten Electro-Producer ĂŒberhaupt. Warum? Weil seine Tracks nicht nur unglaublich fein ausproduziert sind und mit absurdem Druck gen Weltall strömen, sondern weil seine Tracks mehr Reisecharakter haben als jeder Katy-Perry-Flug in die Gestirne. âFadesâ, der letzte Track, etwa: Szenischer hat seit Drexciya niemand mehr Electro angelegt, es ist, als schrubbte die Crew beim Flug ĂŒber einen Exoplaneten etwas zu ambitioniert die Fenster des Raumschiffs. Ebenso der Titeltrack, der spitzen Synths und einem schlicht irre schönen Melodielauf, der groĂe Entdeckungen verspricht, alles aus dem begrenzten Electro-Vokabular herausholt. Auch dazwischen alles klasse, gerade weilâs mal nicht nur zwanghaft dĂŒsterer Electro ist. Maximilian Fritz Embed In diesem Text
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::: Ricardo Villalobos x goat â Without References / Cindy van Acker (Ricardo Villalobos Variations) (Latency) Das Pariser Luxus-Nischen-Label Latency bittet zum intellektuellen Endgegnerduell in den Whitecube. Klar, dass da alle weltgewandt nicken, im exakt gleichen, minimalistischen Vierteltakt ihren Kopf nach vorne schieben, weil das so einfach mehr nach SpaĂ aussieht. Was ja passt: Die japanischen Echtzeitmusikanten von goat (jp) liefern kahlrasierte Rhythmusgerippe, die sie fĂŒr die Generation Kunsthalle ausgehöhlt haben. Weil da aber immer noch zu viel dran- und also runterhĂ€ngt, schnippelt Ricardo Villalobos freudig daran rum. Da verabschiedet sich der trommelkreiselnde Brutalismus, dort die nach DruckerschwĂ€rze mĂŒffelnde Wire-PĂ€dagogik. Die Minimalreste tunkt er in die Hypnosesauce und, huch: Schon hat man einen ziemlich guten Soundtrack, um in einem seligen Sichtbetonbau ausdruckslos an einer Wand zu lehnen und den Kopf im Vierteltakt nach hinten zu schieben. Bis man dann, ungefĂ€hr nach Minute sieben, doch nicht anders kann und performativ mithĂŒpft. Christoph Gleich Roman FlĂŒgel â Dusty Jukebox (Running Back) Seit mehr als drei Jahrzehnten gehört Roman FlĂŒgel zu den konstantesten GröĂen der elektronischen Musik. Ob House, Techno, Electro oder Ambient â der DJ und Produzent bewegt sich mĂŒhelos zwischen den Genres, ohne jemals seine eigene Handschrift zu verlieren. Unter anderem mit Veröffentlichungen wie Gehtâs noch? , Garden Party oder Eating Darkness hat er sich seinen Ruf als Produzent erarbeitet. Nun kehrt FlĂŒgel mit Dusty Jukebox auf Gerd Jansons Label Running Back zurĂŒck. Der erste Track âHornsâ nimmt keine Umwege. Eine trockene Tech-House-Bassline, scharfe Claps und Snares schieben sofort Richtung Peaktime. DarĂŒber schrauben sich atonale Synthesizer immer weiter nach oben, bauen Druck auf, brechen wieder ein und setzen erneut an. Den Break trĂ€gt eine eingĂ€ngige Melodie, bevor sich neue Synth-Layer drĂŒberlegen. Erst ganz zum Schluss klimpert ein Piano durch den Hintergrund. Auf die im Titel versprochenen Hörner wartet man allerdings vergeblich. Stattdessen klingt âHornsâ roh, ravig und angenehm ungeschliffen â als hĂ€tte FlĂŒgel die etwas verwilderte Schwester des Kitschs ins Studio eingeladen. Der Titeltrack nimmt Tempo aus der EP. Die Snares klingen aus der Ferne wie sanfte Peitschenhiebe, wĂ€hrend eine fragile Melodie wie das elektrische Flackern einer verstaubten Maschine vor sich hin trabt. Darunter wabern warme Electro-Sounds durch den Track, als wĂŒrden kleine Stromimpulse die Jukebox am Leben erhalten. âIf Youâll Ever Knowâ wechselt anschlieĂend in wĂ€rmeren House, getragen von breiten Synths und gezupften Akkorden, die fast an eine Laute erinnern. Zum Schluss stehen auf âYouâve Failed But Thatâs Okayâ eine progressive Bassline und eine sich selbst wiederholende Synth-Melodie, bevor ein Piano-Break die Grundstimmung des Tracks in ĂŒberraschend optimistischer Stimmung ausklingen lĂ€sst. Vier Tracks, vier Stimmungen â und in jeder unverkennbar Roman FlĂŒgel. Johanna LĂŒhr The Exaltics â A New Chapter (Clone West Coast Series) Machen wirâs an dieser Stelle kurz: The Exaltics ist sicherlich einer der besten Electro-Producer ĂŒberhaupt. Warum? Weil seine Tracks nicht nur unglaublich fein ausproduziert sind und mit absurdem Druck gen Weltall strömen, sondern weil seine Tracks mehr Reisecharakter haben als jeder Katy-Perry-Flug in die Gestirne. âFadesâ, der letzte Track, etwa: Szenischer hat seit Drexciya niemand mehr Electro angelegt, es ist, als schrubbte die Crew beim Flug ĂŒber einen Exoplaneten etwas zu ambitioniert die Fenster des Raumschiffs. Ebenso der Titeltrack, der spitzen Synths und einem schlicht irre schönen Melodielauf, der groĂe Entdeckungen verspricht, alles aus dem begrenzten Electro-Vokabular herausholt. Auch dazwischen alles klasse, gerade weilâs mal nicht nur zwanghaft dĂŒsterer Electro ist. Maximilian Fritz Dieser Artikel erschien ursprĂŒnglich auf: GROOVE
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